Gießen7 Min. Lesezeit
Wann Sie Ihren Garten gießen sollten: Boden, Pflanzen und Wetter richtig einschätzen
Ein Gießplan kann eine hilfreiche Erinnerung sein, verrät aber nicht genau, was unter der Bodenoberfläche vor sich geht. Eine warme Brise, ein dicht bepflanzter Topf, ein schattiges Beet oder ein plötzlicher Regenguss können beeinflussen, wie schnell Pflanzen Wasser verbrauchen. Greifen Sie deshalb nicht automatisch zum Schlauch, sondern nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um Ihren Garten zu beobachten. Diese einfachen Kontrollen helfen Ihnen, Beete und Kübel nach Bedarf zu gießen, das Wasser besser zu nutzen und Ihren Außenbereich gepflegt aussehen zu lassen.
Beginnen Sie mit der Fingerprobe
Die Oberfläche eines Beets kann trocken aussehen, während die Erde um die Wurzeln noch feucht ist. Stecken Sie einen Finger etwa fünf Zentimeter tief in die Erde neben einer Pflanze, aber nicht direkt am Stängel. Fühlt sich die Erde in dieser Tiefe trocken an, brauchen viele gut eingewachsene Gartenpflanzen Wasser. Ist sie kühl und feucht, prüfen Sie später noch einmal. Bei Pflanzen, die gleichmäßig feuchte Erde bevorzugen, sollten Sie häufiger nachsehen und gießen, bevor der Wurzelbereich weitgehend austrocknet. Prüfen Sie mehrere Stellen, statt sich auf eine einzige zu verlassen. Unter überhängendem Laub, an Beeträndern und in der Nähe von Mauern kann Erde unterschiedlich schnell austrocknen. Ist sie für die Fingerprobe zu fest, hilft eine schmale Pflanzkelle: Heben Sie eine dünne Erdschicht an und betrachten Sie die dunklere, feuchtere Erde darunter. Legen Sie die Schicht vorsichtig zurück, damit benachbarte Wurzeln bedeckt bleiben.
Finden Sie heraus, wie Ihr Boden Wasser speichert
Die Bodenbeschaffenheit beeinflusst sowohl den Zeitpunkt als auch die Art des Gießens. Sandiger Boden lässt Wasser meist schnell abfließen und benötigt unter Umständen kleinere, häufigere Wassergaben. Toniger Boden hält Feuchtigkeit gewöhnlich länger, doch bei zu schnellem Gießen kann das Wasser oberflächlich ablaufen. Lehmboden liegt im Allgemeinen zwischen diesen Extremen. Drücken Sie eine Handvoll leicht feuchter Erde zusammen: Fühlt sie sich körnig an und zerfällt, deutet das auf Sand hin; ist sie klebrig und behält ihre Form, enthält sie vermutlich mehr Ton. Nutzen Sie diese Beobachtung als Ausgangspunkt, nicht als feste Regel. Arbeiten Sie mit der Zeit Kompost in die Beete ein, um die Bodenstruktur zu unterstützen, und beobachten Sie mit der Fingerprobe, wie sich die Bedingungen verändern. Legen Sie bei einem abschüssigen oder stark tonhaltigen Beet zwischen kurzen Gießgängen Pausen ein, damit das Wasser einsickern kann, statt über einen Weg abzulaufen.
Beurteilen Sie Blätter und Boden gemeinsam
Hängende Blätter können ein hilfreiches Signal sein, bedeuten aber nicht immer, dass eine Pflanze Wasser braucht. Manche Pflanzen welken während der heißesten Tageszeit vorübergehend und erholen sich, sobald die Temperaturen sinken. Prüfen Sie vor dem Gießen die Erde: Ist sie bereits feucht, kann zusätzliches Wasser dazu führen, dass die Wurzeln zu wenig Luft bekommen. Anhaltendes Welken in nasser Erde kann auch auf Probleme mit dem Wasserabfluss oder den Wurzeln hinweisen. Achten Sie über mehrere Tage auf wiederkehrende Anzeichen. Bleiben Blätter auch am kühleren Morgen schlaff und ist die Erde trocken, spricht das für eine Wassergabe. Trockene braune Blattränder können ebenfalls nach dem Austrocknen auftreten, doch auch Wind, Salz und andere Belastungen können ähnliche Schäden verursachen. Entfernen Sie stark geschädigte Blätter, wo es sinnvoll ist. Konzentrieren Sie sich aber zunächst darauf, die Wachstumsbedingungen zu verbessern, statt bei jedem braunen Fleck von derselben Ursache auszugehen.
Passen Sie Ihre Routine dem Wetter an
Hitze, Wind und niedrige Luftfeuchtigkeit können Blättern und Boden schnell Feuchtigkeit entziehen, selbst wenn der Himmel bewölkt ist. Kontrollieren Sie ungeschützt liegende Beete während einer warmen, windigen Wetterphase häufiger und achten Sie besonders auf neue Pflanzungen und Töpfe. Bei kühlem, windstillem Wetter kann die Erde dagegen viel länger feucht bleiben, sodass eine Wassergabe, die letzte Woche sinnvoll war, heute unnötig sein kann. Regen ist hilfreich, doch ein kurzer Schauer befeuchtet möglicherweise nur die Oberfläche, besonders unter dichtem Laub. Prüfen Sie nach dem Regen die Erde in Wurzeltiefe, bevor Sie den Schlauch wegräumen. Ein einfacher Regenmesser an einer freien Stelle hilft Ihnen, die Niederschlagsmenge mit dem Zustand des Bodens zu vergleichen. Wettervorhersagen sind für die Planung nützlich, doch die endgültige Entscheidung sollte sich nach der tatsächlichen Bodenfeuchte richten.
Gießen Sie Beete langsam und durchdringend
Wenn ein Beet Wasser braucht, richten Sie es auf die Erde, statt die Blätter leicht zu besprühen. Eine Gießbrause, die Sie tief halten, ein Perlschlauch oder eine Tropfbewässerung bringen das Wasser in die Nähe der Wurzeln. Gießen Sie langsam genug, damit es einsickert, und prüfen Sie anschließend mit einer Pflanzkelle die Feuchtigkeit. Bei eingewachsenen Pflanzen sollte die Erde mehrere Zentimeter tief feucht sein, statt nur eine dünne feuchte Schicht an der Oberfläche aufzuweisen. Die genaue Tiefe und Wassermenge hängen von den Pflanzen und dem Boden ab. Der frühe Morgen ist oft günstig: Das Laub hat tagsüber Zeit zu trocknen, und gewöhnlich ist es weniger heiß und windig als am Nachmittag. Braucht eine durstige Pflanze später Hilfe, gießen Sie sie, statt auf den perfekten Zeitpunkt zu warten. Trittsteine oder ein schmaler Weg durch breite Beete helfen Ihnen, die Erde zu erreichen, ohne sie zu verdichten.
Kontrollieren Sie Kübel und Töpfe gesondert
Töpfe trocknen oft schneller aus als Gartenbeete, weil den Wurzeln nur eine begrenzte Menge Erde zur Verfügung steht und sich die Gefäßwände in der Sonne erwärmen können. Kontrollieren Sie sie bei heißem oder windigem Wetter mindestens täglich; kleine Töpfe und Hängeampeln sollten Sie bei extremen Bedingungen noch häufiger prüfen. Stecken Sie einen Finger in die Erde und heben Sie einen handlichen Topf an, um den Gewichtsunterschied zwischen gegossenem und trockenem Zustand kennenzulernen. Wenn ein Topf Wasser braucht, verteilen Sie es langsam über die Oberfläche, bis überschüssiges Wasser unten abzulaufen beginnt. Leeren Sie Untersetzer nach dem Gießen, damit die Wurzeln nicht im Wasser stehen, es sei denn, die Pflanze bevorzugt ausdrücklich nasse Bedingungen. Wählen Sie Gefäße mit Abzugslöchern und gruppieren Sie Töpfe mit ähnlichem Feuchtigkeitsbedarf. Eine Gruppe unterschiedlich hoher Gefäße kann bewusst arrangiert wirken und zugleich die tägliche Kontrolle erleichtern.
Berücksichtigen Sie neue und eingewachsene Pflanzen
Frisch gepflanzte Jungpflanzen, Sträucher und Stauden benötigen mehr Aufmerksamkeit als ihre eingewachsenen Nachbarn, weil sich ihre Wurzeln noch nicht in die umgebende Erde ausgebreitet haben. Prüfen Sie sowohl den ursprünglichen Wurzelballen als auch die Erde darum herum; einer der beiden Bereiche kann trocken sein, während der andere noch feucht ist. Gießen Sie bei Bedarf gründlich und kontrollieren Sie anschließend erneut, statt davon auszugehen, dass ein fester Abstand zwischen den Wassergaben für jede Pflanze passt. Wenn die Pflanzen einwachsen, fördern Sie die Ausbreitung der Wurzeln, indem Sie bei Trockenheit den weiteren Pflanzbereich gießen und nicht nur direkt am Stängelansatz. Eingewachsene trockenheitsverträgliche Pflanzen brauchen möglicherweise seltener Unterstützung, können aber ebenfalls unter längerer Hitze leiden. Notieren Sie Pflanzdaten und ungewöhnlich trockene Zeiträume, damit Sie wissen, welche Bereiche einen zusätzlichen Blick verdienen.
Halten Sie die Bodenfeuchtigkeit mit Mulch gleichmäßiger
Eine Schicht aus organischem Mulch, etwa zerkleinerter Rinde oder Lauberde, verlangsamt die Verdunstung und mildert Schwankungen der Bodentemperatur. Verteilen Sie nach dem Gießen und Jäten eine etwa fünf bis acht Zentimeter dicke Schicht auf freier Erde in eingewachsenen Beeten. Halten Sie einige Zentimeter Abstand zu Pflanzenstängeln und Baumstämmen, damit dort nicht dauerhaft Feuchtigkeit an der Rinde anliegt. Mulch verleiht einem Beet außerdem ein ruhiges, gepflegtes Erscheinungsbild und verbindet Pflanzen unterschiedlicher Größe optisch miteinander. Wählen Sie eine Körnung, die zum Bereich passt: Feines Material fügt sich gut um kleine Stauden ein, während gröbere Rinde unter Sträuchern gut zur Geltung kommt. Prüfen Sie die Erde unter dem Mulch mit dem Finger; die Oberfläche der Mulchschicht kann trocken aussehen, obwohl der Boden darunter noch feucht ist.
Machen Sie die Gartenkontrolle zu einer angenehmen Gewohnheit
Bauen Sie einen kurzen Rundgang in Ihre Routine ein, statt einen festen Gießtag einzurichten. Beginnen Sie bei den sonnigsten Kübeln, gehen Sie weiter zu ungeschützten Beeten und enden Sie in kühleren, schattigen Ecken. Nehmen Sie eine kleine Pflanzkelle mit oder bewahren Sie eine in der Nähe der Hintertür auf. Stellen Sie Gießkanne und Schlauch so zusammen, dass sie leicht erreichbar sind. Eine einfache Bank neben einem Weg bietet einen Platz, um innezuhalten und Veränderungen an Blättern und Boden zu bemerken. Nach einigen Wochen erkennen Sie zunehmend, welche Töpfe zuerst austrocknen und welche Beete nach Regen feucht bleiben. Passen Sie Ihre Routine an, wenn sich die Jahreszeiten ändern und die Pflanzen wachsen. Ziel ist nicht, jede Oberfläche ständig feucht zu halten, sondern jeder Pflanze ausreichend Wasser an den Wurzeln zu geben und dabei den Boden und seinen Wasserabfluss ihre Arbeit tun zu lassen.
Wie gefällt dir dieser Artikel?
Wähle eine Reaktion. Du kannst sie später ändern.