Schädlinge und Krankheiten7 Min. Lesezeit
Blattläuse im Garten erkennen und bekämpfen
Blattläuse können scheinbar über Nacht auftauchen und sich an den jungen Trieben von Rosen, Gemüse, Kräutern und vielen anderen Gartenpflanzen sammeln. Ihr Auftreten ist nicht immer ein Grund zur Sorge: Eine kleine Kolonie kann wieder verschwinden, sobald Marienkäfer, Florfliegen und Vögel sie entdecken. Entscheidend ist, Veränderungen früh zu bemerken, Blattläuse von anderen Gartenbesuchern zu unterscheiden und die schonendste geeignete Maßnahme zu wählen. Mit regelmäßigen Kontrollen und einem einladenden Lebensraum für Nützlinge lassen sich empfindliche Pflanzen schützen, ohne jeden kleinen Makel zum Kampf zu machen.
Junge Triebe genau untersuchen
Blattläuse sind kleine, weichhäutige Insekten mit häufig birnenförmigem Körper. Sie sammeln sich dort, wo Pflanzen besonders kräftig wachsen. Suchen Sie entlang junger Stängel, an Blütenknospen und auf der Unterseite frischer Blätter. Je nach Art können sie grün, schwarz, gelb, rosa oder grau sein; die Farbe allein ist daher kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Viele besitzen am Hinterleib zwei kurze röhrenartige Fortsätze, für die man allerdings möglicherweise eine Lupe braucht. Manche erwachsenen Blattläuse entwickeln Flügel und wechseln auf andere Pflanzen. Verbinden Sie die Kontrolle mit dem üblichen Gießen oder Ernten. Drehen Sie mehrere Blätter um, statt nur die Oberseite der Pflanze zu betrachten, und prüfen Sie die weichen Triebspitzen, an denen Blattläuse besonders leicht saugen können. Einige wenige Insekten an einer ansonsten gesund wachsenden Pflanze sind zunächst ein Anlass zur Beobachtung, nicht unbedingt zum sofortigen Eingreifen.
Anzeichen an Blättern und Stängeln deuten
Blattläuse ernähren sich von Pflanzensaft. Saugen viele Tiere an jungen Trieben, können sich Blätter einrollen, kräuseln oder verformen; Blütenknospen öffnen sich mitunter nur schlecht. Da verschiedene Probleme ähnliche Symptome verursachen können, sollten Sie nach den Insekten selbst suchen, bevor Sie Blattläuse dafür verantwortlich machen. Alte Schäden bleiben möglicherweise auch nach dem Verschwinden einer Kolonie sichtbar. Achten Sie deshalb darauf, ob frische Triebe weiterhin betroffen sind. Ein weiterer Hinweis ist Honigtau, eine klebrige Substanz, die Blattläuse ausscheiden und die auf darunterliegende Blätter und Oberflächen tropft. Auf diesen Rückständen kann ein dunkler Rußtaupilz wachsen, der die Blattoberflächen beschattet und die Pflanze schmutziger aussehen lässt, als sie ist. Auch Ameisen, die an Stängeln entlanglaufen, können auf Honigtau ausscheidende Insekten hinweisen. Ameisen allein bestätigen jedoch keinen Blattlausbefall.
Entscheiden, ob die Pflanze Hilfe braucht
Blattläuse vermehren sich schnell, doch ihre Zahl kann auch zurückgehen, wenn sich das Wetter ändert oder Fressfeinde eintreffen. Bevor Sie eingreifen, betrachten Sie den Zustand der Pflanze und die Lage der Kolonie. Ein eingewachsener Strauch verträgt eine Handvoll Blattläuse womöglich problemlos, während ein Sämling, eine frisch gepflanzte Pflanze oder eine Nutzpflanze mit verformten Triebspitzen von rascher Hilfe profitieren kann. Kontrollieren Sie in den nächsten Tagen erneut, ob die Kolonie wächst und ob neue Blätter normal austreiben. Suchen Sie zwischen den Blattläusen auch nach Nützlingen. Wenn Fressfeinde bereits dort fressen und die Pflanze gut wächst, geben Sie ihnen Zeit. Nehmen die Schäden zu, beginnen Sie mit einer gezielten mechanischen Maßnahme, statt den ganzen Garten zu behandeln.
Nützlingen Raum geben
Marienkäfer, Florfliegenlarven, Schwebfliegenlarven und winzige Schlupfwespen gehören zu den natürlichen Feinden der Blattläuse. Ihre Larven können ungewohnt aussehen: Marienkäferlarven sind häufig länglich und beweglich, während manche Schwebfliegenlarven kleinen, beinlosen Nacktschnecken ähneln. Schlupfwespen können aufgeblähte, hell- bis dunkelbraune Blattlaushüllen hinterlassen, die als Mumien bezeichnet werden. Wer diese Anzeichen kennt, entfernt Nützlinge nicht versehentlich zusammen mit den Schädlingen. Bieten Sie erwachsenen Nützlingen über einen längeren Zeitraum hinweg kleine Blüten an und wählen Sie dafür Pflanzen, die zu Klima und Standort passen. Dill, Koriander, Duftsteinrich und blühende Kräuter können dort, wo sie geeignet sind, eine gute Wahl sein. Lassen Sie einige Kräuter zwischen dem Gemüse blühen oder säumen Sie einen Weg mit einem lockeren Blütenband. Diese abwechslungsreiche Bepflanzung lässt den Garten weicher wirken und bietet zugleich Nektar und Pollen in der Nähe blattlausgefährdeter Pflanzen.
Kolonien mit Wasser abspülen
Bei vielen robusten Pflanzen ist ein gezielter Wasserstrahl eine hilfreiche erste Maßnahme. Richten Sie ihn auf die Blattunterseiten und die Triebspitzen, an denen sich Blattläuse sammeln. Stützen Sie empfindliche Stängel bei Bedarf mit der freien Hand. Ziel ist es, die Insekten abzuspülen, ohne Blätter abzureißen oder Knospen zu beschädigen. Bei kleinen Pflanzen lässt sich ein Handsprühgerät besser dosieren als ein Schlauch. Kontrollieren Sie die Pflanze nach ein oder zwei Tagen erneut und wiederholen Sie die Behandlung, wenn die Zahl der Blattläuse weiter zunimmt. Gießen Sie früh genug, damit das Laub tagsüber trocknen kann, besonders bei Pflanzen, die zu Blattkrankheiten neigen. Vermeiden Sie einen kräftigen Strahl auf empfindliche Sämlinge oder Blüten; ein sanfteres Abspülen oder das Entfernen von Hand ist möglicherweise sicherer.
Stark befallene Triebspitzen entfernen
Wenn sich Blattläuse auf wenige Triebe konzentrieren, lässt sich durch einen Rückschnitt rasch ein großer Teil der Kolonie entfernen. Schneiden Sie stark verformte Triebspitzen oder stark befallene Blätter ab und achten Sie darauf, nicht mehr gesundes Wachstum zu entfernen, als die Pflanze verkraften kann. Eine kleine Kolonie können Sie auch mit behandschuhten Fingern abstreifen oder vorsichtig zerdrücken. Geben Sie das entfernte Pflanzenmaterial in einen Beutel oder entsorgen Sie es auf andere Weise entfernt von gefährdeten Pflanzen. Untersuchen Sie das umliegende Laub vor und nach dem Schnitt. Befinden sich an einem Trieb zahlreiche Larven von Fressfeinden oder Blattlausmumien, kann es sinnvoller sein, ihn stehen zu lassen. Reinigen Sie die Schnittwerkzeuge entsprechend den Pflanzen, die Sie bearbeiten, und verzichten Sie auf einen starken Rückschnitt, wenn es lediglich darum geht, das Aussehen bei geringem Befall zu verbessern.
Seifenmittel vorsichtig einsetzen, wenn schonendere Maßnahmen nicht ausreichen
Wenn Blattläuse eine Pflanze trotz mechanischer Maßnahmen weiterhin schädigen, kann ein für die Pflanze und den Schädling zugelassenes insektizides Seifenmittel eine Möglichkeit sein. Es wirkt durch direkten Kontakt; die Spritzlösung muss daher die Blattläuse auf Blattunterseiten und an anderen Verstecken erreichen. Beachten Sie die Angaben auf dem Produktetikett zu Verdünnung, Zeitpunkt, wiederholter Anwendung und möglichen Einschränkungen bei essbaren Kulturen. Testen Sie das Mittel zunächst an einer kleinen Stelle, wenn das Etikett dies empfiehlt oder Sie unsicher sind, wie die Pflanze darauf reagiert. Sprühen Sie weder gestresste Pflanzen noch bei heißem, sonnigem Wetter, da dies das Risiko von Blattschäden erhöhen kann. Das Seifenmittel kann auch Nützlinge beeinträchtigen, mit denen es in Kontakt kommt. Behandeln Sie daher gezielt befallene Bereiche und besprühen Sie keine Fressfeinde oder Bestäuber. Haushaltsreiniger sind kein Ersatz für zugelassene insektizide Seifenmittel und können das Laub schädigen.
Ameisen daran hindern, die Kolonie zu schützen
Manche Ameisen sammeln den Honigtau der Blattläuse und schützen sie möglicherweise vor Fressfeinden. Wenn Sie eine beständige Ameisenstraße zwischen dem Boden und einer Kolonie beobachten, kann es Nützlingen helfen, die Blattläuse zu erreichen, wenn Sie den Ameisen den Zugang erschweren. Schneiden Sie zunächst Äste oder benachbarte Pflanzen zurück, die eine Brücke zum betroffenen Stängel oder Stamm bilden. Bei einem geeigneten Gehölz kann eine Leimbarriere auf einer schützenden Manschette um den Stamm den Ameisenverkehr unterbrechen. Tragen Sie das klebrige Material nicht direkt auf die Rinde auf und kontrollieren Sie die Manschette regelmäßig, damit sich darunter keine Feuchtigkeit staut, der Stamm keinen Schaden nimmt und angesammelte Pflanzenteile keine Brücke für Ameisen bilden. Halten Sie solche Barrieren von Kindern, Haustieren und Wildtieren fern und verwenden Sie sie nur dort, wo sie sich sicher überwachen lassen.
Einen widerstandsfähigen Garten gestalten
Gesunde Pflanzen können mäßigen Blattlausbefall oft verkraften. Konzentrieren Sie sich deshalb auf eine gleichmäßige Pflege statt auf einen vollkommen schädlingsfreien Garten. Gießen Sie entsprechend den Bedürfnissen jeder Pflanze, mulchen Sie gegebenenfalls, um die Bodenfeuchtigkeit zu bewahren, und vermeiden Sie zu viel Stickstoffdünger. Dieser kann einen Schub weicher Triebe fördern, die für Blattläuse attraktiv sind. Lassen Sie zwischen den Pflanzen genügend Platz für Kontrollen und Luftzirkulation und entfernen Sie Unkraut, das mit jungen Pflanzen konkurriert. Pflanzen Sie blattlausgefährdete Lieblingspflanzen dort, wo Sie sie leicht erreichen können: Rosen beispielsweise neben einem Weg oder Kräuter und Gemüse nahe der Küchentür. Kombinieren Sie sie mit blühenden Begleitpflanzen, statt alle empfindlichen Pflanzen in einem dichten Block zusammenzusetzen. Ein Garten mit unterschiedlichen Wuchsformen, Blütezeiten und gut zugänglichen Wegen lädt zum Verweilen ein – und erleichtert die kurzen wöchentlichen Kontrollen, mit denen sich Probleme früh erkennen lassen.
Wie gefällt dir dieser Artikel?
Wähle eine Reaktion. Du kannst sie später ändern.